Allgemein

Jeder fängt mal klein an – Eine Überlegung über den Weg zum Autor.

Heute beschäftigt mich ein ganz bestimmter Gedanke. Wenn wir uns in unserer Büchercommunity umschauen, dann finden sich viele Autoren und Autorinnen. Manche stehen bei einem Verlag unter Vertrag, viele haben den Weg des Selfpuplishings gewählt und ein paar stehen noch ganz am Anfang ihres Autoren-Lebens.

Ich durfte in den letzten Monaten mit einigen Autorinnen quatschen, begleite ein/zwei auf ihrem Weg zum Durchbruch und stelle immer wieder fest, wie viel Arbeit hinter der Fassade des unbeschwerten Autors steckt.

Aus diesem Grund will ich euch mal meine Eindrücke schildern. Einfach nur damit ihr den nächsten Autor mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten könnt. Vielleicht erreiche ich auch damit, dass der eine oder andere „große“ Verlagsautor sich daran erinnert, wie alles begann.

Jeder fängt mal klein an.

Da stehst du nun, hast Monate geschuftet, an deiner Geschichte geschliffen und Freunde und Familie um ihre Meinung gebeten. Manche haben geschmunzelt, andere die Augen verdreht, weil es ja irgendwo nach einer fixen Idee klang und allen Zweifeln zum Trotz hast du deine Idee aufs Papier gebracht. Du liest jedes geschriebene Kapitel wieder und wieder. Ein Lektor? Wo bekommt man den her? Freiwillige? Wer hat denn so viel Zeit? Also schaust du und korrigierst. Die Arbeit hat noch nicht mal angefangen.

Du erstellst ein Manuskript, woher du weißt wie man eines erstellt? Du recherchierst, schaust Stunde um Stunde Anleitungen, surfst auf bekannten Seiten, die so viel mehr Anhänger haben als deine Eigene. Suchst nach einem Verlag, deinen liebsten, der größte in der Hoffnung, dass er dir eine Chance gibt. Es hagelt keine Absage, es hagelt Schweigen. Du bist ein kleines Licht und dein Traumverlag hat keine Zeit dir zu antworten, dir abzusagen. Also machst du einen zweiten Anlauf bei dem kleinsten Verlag und statt Schweigen hagelt es nun Absagen. Tja keiner gibt deinem Herzensprojekt eine Chance. Doch du gibst nicht auf. Dann machst du es halt selbst!

Die Nächte machst du durch, dein Cover ist nicht von einem Medien-Designer, das warst du. Mit einem günstigen Photoshop-Ersatz in das du dich ewig einlernen musstest. Wer hat schon Geld für einen Cover-Designer? Du startest mit Instagram, Facebook und Co. Nennst du dich schon Autor? Fühlst du dich schon wie einer? Ja du wählst diesen Begriff, nicht weil du hochmütig bist, sondern weil du es ernst meinst mit dem was du tust, denn du hast geschuftet, du willst dafür wenigstens das. Dann stellst du dein Werk auf ein Portal um es als E-Book anbieten zu können, wer kann sich schon einfach einen Platz im Buchladen mieten? Nein, nein, so viel Geld hast du nicht, also bietest du es auf einem Portal an, das dir die Hälfte deines Verdienstes abnimmt und das nur damit es dir den Verkauf ermöglicht. Aber du nimmst es hin. Nach etlichen Recherchen ist es dann vollbracht, deine Beschreibung sitzt, dein selbstgeschossene Porträt zeigt dich lächelnd, dein Klappentext veröffentlicht. Du wartest und dann, passiert nichts. Ein zwei Menschen die dir folgen. Ein zwei Leute, die dich begrüßen, aber keiner liest mehr als den Klappentext. Dir rennt keiner die Bude ein, keiner interessiert sich für das Werk woran du Nächte lang gearbeitet hast. Dein Buch ist gut, du weißt das denn jeder, der dir eine Chance gegeben hat, hat es in einem Zug durchgelesen, doch in der großen weiten Welt des Internets bist du nur ein kleines Licht.

Doch du gibst nicht auf, nein du willst das durchziehen also recherchierst du, schaust, wie es die Anderen gemacht habe. Werbung, Werbung, Werbung, aber „Werbung machen“ kostet viel, selten macht das jemand umsonst. Du weißt genau, du musst einen Fuß in die Tür bekommen. Suchst Kontakt zu den Leuten, quatscht sie an wie ein Verkäufer und genau so oft, schlagen sie dir die imaginäre Tür vor der Nase zu. Nacht um Nacht, Stunde um Stunde neben dem ganz normalen Beruf, neben dem Studium, neben der Schule. Immer auf Abruf immer am Kontakte knüpfen. Nicht alle sind nett, manche sind unverschämt, manche sind fies. Geld ist noch lange nicht in Sicht. Du suchst dir liebe Leute, das dauert ewig, du bittest sie um Hilfe. Manche machen es gerne, andere verlangen alles Mögliche dafür. Für dein Werk bezahlen? Das will keiner aber du machst es. Und sie rezensieren, sie Bloggen, sie machen Werbung. Dein erster Verkauf, du hattest das Gefühl zu schweben, nur wenige Euro für dein Projekt aber du schwebst. Träumst von mehr. Deine Blogger bloggen fleißig, schwärmen, teilen. Doch dann kommt deine erste schlechte Rezension. Ein Käufer zerreißt dein Buch in der Luft, nimmt kein Blatt vor den Mund. Du schluckst, machst weiter. Mit jedem Stern schwebst du. Tage vergehen, Monate schwinden. Du knüpfst weiter Kontakte, findest Menschen, die dir die Hand reichen genau so oft wie Menschen die sie dir Abhacken. Doch du recherchierst weiter, bietest Gewinnspiele an, Rezensionsexemplare, klopfst auch bei den größten Bloggern an die Tür in der Hoffnung, sie geben dir eine Chance. In der Zwischenzeit hast du viele hundert Menschen kontaktiert, manche nur auf der Suche nach Printexemplaren, etwas was sie horten können, etwas was ihnen was bringt. Also bestellst du Printexemplare, natürlich aus eigener Tasche, die fallen ja nicht vom Himmel, aber du brauchst mehr Platz im Spalt der Türe also investierst du. Manche halten sich dran, rezensieren, schwärmen über dein Printexemplar, von anderen hörst du nie wieder was. Große Blogger vertrösten dich, da ist doch noch der Stapel der Verlagsbücher die sie rezensieren müssen, dafür gibt’s Goodies, dafür gibt´s Geschenke. Also investierst du in Goodies, verteilst sie an deine Blogger, diese verlosen sie weiter. Nur zur Erinnerung, noch immer verdienst du kaum. Hast eine Menge investiert. Tage vergehen, Monate schwinden, vielleicht auch Jahre und dann ist es soweit. Ein großer Blogger, ein paar super Bewertungen und dein Buch ist grad mal im Gespräch. Du verdienst etwas, nicht viel aber was soll´s. Du schreibst weiter, deine Gruppe wächst langsam, aber sie wächst. Deine Anhänger geben dir die Chance. Noch immer bist du rund um die Uhr am Kontakte knüpfen, am Werbung erstellen. Kein Ende in Sicht, doch du machst es gerne, machst es für die Menschen die dein Buch mögen, machst es für deinen Traum….

Ja ich höre hier auf, mitten drin denn manchmal klopft ein Verlag an die Tür, manchmal legt ein guter Autor die Feder nieder, weil der Durchbruch ausbleibt. Jede Geschichte ist anders. Jedes Ergebnis unterscheidet sich vom anderen. Doch verstehst du was ich damit sagen will? Kein Autor ist vom Himmel gefallen, kein Verlag kommt angerannt. Es dauert oft Jahre bis man mal was verdient, meistens hat man an diesem Punkt mehr Eingesteckt als positives erfahren.

Der Weg zum Autor kann steinig sein, er kann schwer sein. Manchmal haben Autoren Glück, meistens ist es aber harte Arbeit. Wenn ich bei der Begleitung meiner Autoren eines gelernt habe dann, dass dir auch als Autor nichts im Leben geschenkt wird.

Ob von einem Verlag oder von einem selbstgebastelten Cover, in jedem Buch kann ein Bestseller stecken. Ob 100 oder 100.000 Follower jeder hat irgendwann mal bei 0 angefangen.

Das hier ist für alle Autoren und Autorinnen, für Bestseller und Unbekannte, für Verlagsmitglieder und Selfpuplisher. Ich ziehe meinen Hut, ich bewundere euren Ehrgeiz, euren Mut und eure Kraft.

 

Eure Sandra Zeilenwanderzauberin