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Rezension zu „Zu nah“ von Olivia Kiernan

Protagonistin Frankie

Frankie wirkt auf mich wie eine sehr verletzte aber abgehärtete Frau. Sie lässt keinen an sich heran, bei dem was ihr passiert ist, ist das auch kein Wunder. Ihr letzter Fall sitzt ihr nicht nur in den Knochen, er bestimmt ihr ganzes Leben. Auch während der Suche im aktuellen Fall, ist sie eine Einzelgängerin. Dabei übersieht sie den einen oder anderen Hinweis, was ihr noch mehr Steine in den Weg legt. Eigentlich hatte ich mir erhofft, sie würde im Laufe des Hörbuches eine Wandlung vollziehen, doch von dieser habe ich leider nicht viel gesehen.

Stimme
Sabina Godec hat eine unglaublich passende Stimme. Sie ist tief und angenehm. Auch nach mehreren Stunden hören, stört sie keine Sekunde und wenn man erstmal die verschiedenen Charaktere auseinanderhalten kann taucht man in die Geschichte ein. Frau Godec spielt mit verschiedenen Tonlagen, weiß Gänsehaut mit ihren Worten auszulösen und hat mir mit Abstand am Besten gefallen an dem Hörbuch.

Story-Aufbau
Wir dürfen Teil der Ermittlungen werden. Begleiten Frankie und ihre Truppe auf der Suche nach dem Mörder. Viele Abschnitte sind reine Detektivarbeit. Ein Verdächtiger wird gefunden, es wird gegen ihn ermittelt und man lässt ihn wieder gehen, weil es der falsche ist. Dann kommt der nächste Verdächtige und an denen mangelt es nicht. Bei fast jedem der ins Visier der Ermittlungen gerät findet man Leichen im Keller und jedem von ihnen traut man es irgendwie zu. Das macht die Geschichte nicht nur spannend sondern hält einen auch dazu an weiter zu hören. Leider ist sie ebenso kurz und wo es an Ermittlungsarbeit nicht mangelt, fällt das Ende recht kurz aus, was mich am Meisten enttäuscht hat. Ebenso war das Ende recht unerwartet, was ich schade fand.

Auch der ständige Alleingang von Frankie war mir ein Dorn im Auge. Meines Wissens nach, benötigt man immer zwei Ermittler um eine wasserdichte Zeugenaussage auf die Beine stellen zu können, aber ständig ist sie alleine, verfolgt ihre Ziele wie ein einsamer Wolf.

Alles in allem war das Hörbuch „Okay“. Es hatte gute und schlechte Stellen, war spannend aber auch ermüdend und die Entwicklung von Frankie war es was mir gar nicht gefallen hat, aber das kann auch Geschmackssache sein.

Bewertung

3 von 5 Sternen ⭐⭐⭐

 

Instagram: Zeilenwanderzauberin

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Rezension zu „Vicious Love“ von L. J. Shen

Klappentext ♥️

Emilia LeBlanc traut ihren Augen nicht, als sie nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder Baron „Vicious“ Spencer gegenübersteht. Vicious, der ihr das Leben einst zur Hölle gemacht hat. Vicious, der nie nett, immer furchtbar zu ihr war. Vicious, der sie ans andere Ende der USA und weg von ihrer Familie getrieben hat. Vicious, der einzige Mann, den sie je geliebt hat.

Inzwischen ist er ein erfolgreicher Anwalt und leitet mit seinen drei besten Freunden ein Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen. Emilia, die es kaum schafft, sich und ihre kranke Schwester über die Runden zu bringen, weiß, dass Vicious der letzte Mann ist, den sie jetzt in ihrem Leben gebrauchen kann. Und doch kann sie sich wie damals schon einfach nicht von ihm fernhalten …

Protagonistin Emilia ♥️

Emilia ist ein ganz normales Mädchen mit einem Faible für ausgefallene Klamotten. Sie ist aufrichtig, chaotisch und manchmal geradezu selbstzerstörerisch. Obwohl sie voller Selbstzweifel ist, weiß sie was sie will. Aus dem Mädchen vom Lande wird im Verlauf des Buches eine mutige junge Frau. Lässt sie sich am Anfang noch viel von Vic gefallen, lässt sie ihn zum Ende hin zu Kreuze kriechen.  Das gefällt mir an ihr, sie beschützt nicht nur ihre Schwester und ihre Familie, sondern auch ihr Herz. Emilia macht eine wahnsinnig große Entwicklung durch. Besonders hat mir gefallen, dass sie nicht nur in eine Schublade gedrückt wurde. Sie ist weder extrem zurückhaltend noch ist sie laut. Ihr Charakter besteht aus so vielen Facetten. Sie kann sowohl sanft als auch wütend sein, genervt und amüsiert, selbstbewusst und schüchtern. Auch ihr Mitgefühl und ihre Art das Leben zu genießen haben mir gefallen. Sie lebt ein wenig in den Tag hinein, verliert sich nicht in Tagträumen und nimmt jede Hürde wie sie kommt. Für mich ist Emilia eine aufrichtige und liebenswürdige Person die eigentlich nur irgendwie durchs Leben kommen will.

Protagonist Vicious ♥️

Vic ist gnadenlos seinen Feinden gegenüber. Mit seinen tiefen Narben sowohl auf der Haut, als auch auf der Seele, kann man es ihm nicht verübeln. Von Rachegedanken zerfressen, vom Leben gezeichnet und wie ein verwundetes Tier mit ausgefahrenen Krallen um sich schlagend. Ja Vicious kann gnadenlos sein wie der Teufel. Umso schöner ist es, wenn seine sanfte Seite zum Vorschein kommt. Obwohl er alle Eigenschaften eines Bad-Boys hat, ist sein Charakter keinesfalls flach. Er hat einfach seine eigene Ausdrucksweise, seinen eigenen Kopf. Das Leben hat ihm beigebracht, dass er sich nehmen muss, was er will und das tut er. Auch Vic entwickelt sich im Laufe des Buches. Stück für Stück lässt er alten Schmerz hinter sich. Er vergibt nicht, vergisst nicht aber er wacht endlich auf, erkennt was wichtig ist. Er macht sogar eine größere Entwicklung durch als Emilia. Er will sich ändern und was Vic will, das schafft er auch. Vic hat zwei Gesichter und am Anfang denkt man, beide wären kalt wie Eis. Doch je mehr man ihn auf seinem Weg begleitet, desto klarer wird, Vicious ist keinesfalls aus Eis gebaut. Tatsächlich geht er als erwachsener Mann erheblich nüchtern an seine Gefühle heran. Ihm wird schnell klar, wie seine Gefühle zu Emilia sind. Er streitet es weder ab, noch druckst er lange herum, was ich herrlich erfrischend finde. Er hat es nicht nötig zu leugnen, tut nicht unnahbar, klärt die Fronten. Vic mag ein Bad-Boy sein, doch er ist auch intelligent und realistisch. Diese Kombination raubt mir den Atem.

Story-Aufbau ♥️

J. Shen verdreht einem mit ihrem Vic den Kopf. Doch nicht nur der knallharte Bad-Boy macht Vicious Love so gut, es ist die Kombination aus Liebe und Verlangen die so berauschend ist. Emilia und Vic, hell und dunkel, arm und reich, freakig und straight. Ja die beiden brachten mich zum Schmunzeln denn sie sind so gegensätzlich und doch passen sie perfekt zusammen. L. J. Shen hat einen unglaublich guten Schreibstil und weiß schon mit wenigen Worten Emotionen zu wecken. Ich fieberte mit, freute mich, war traurig, frustriert und glücklich. Alles was ein Bestseller haben muss ist vorhanden. Vic und Emilia schaffen eine so außergewöhnliche Atmosphäre, dass ich jede Seite verschlungen habe. Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Band.

Anmerkung ♥️

Ich hatte die Ehre Vicious Love im Rahmen einer Leserunde vorablesen zu dürfen. Erstmal herzlichen Dank an die Lesejury.de für diese Erfahrung. Es war meine erste Leserunde bei Euch und es war ein tolles Erlebnis. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht mit den anderen Teilnehmern über den Story-Verlauf zu diskutieren, den Werdegang von Vic und Emilia zu analysieren und die Meinungen der Anderen zu lesen. Das Manuskript von Vicious Love war dann noch die Kirsche auf dem Eisbecher. Ich habe mich so darüber gefreut und werde es hüten wie meinen Schatz. Ein Buch ist etwas Wundervolles, doch ein Manuskript ist einzigartig.

Bewertung ♥️

5 von 5 Sternen ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

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Rezension zu „Der Zopf“ von Laetitia Colombani (Hörbuch)

Klappentext ♥️

Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – dieselbe Sehnsucht nach Freiheit

Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung.

Protagonistin Smita♥️

Smita lebt in Indien als eine „Unberührbare“. Die niedrige Stufe der indischen Kultur. Doch damit kann und will sie sich nicht abfinden. Sie will ihrer Tochter ein besseres Leben bieten und nimmt Reißaus. Ihr Mann weigert sich, weshalb sie mit ihrer Tochter alleine türmt. Smita hat mich sehr berührt, ihr Leidensweg nimmt einen mit und hält einem vor Augen wie gut wir es hier in Deutschland haben. Für uns ist selbstverständlich: Wer will, der kann. Doch Smita kann nicht, darf nicht und ihr Mut treibt sie in Richtung Freiheit. Ihre Art verzauberte mich, zeigte mir, wozu wir mit genug Willen fähig sind.

Protagonistin Giulia ♥️

Giulia trägt das Glück ihrer Familien auf den Schultern. Nachdem ihr Vater ins Koma fällt, übernimmt sie die Perücken-Fabrik. Doch wie das so mit Firmen ist, ehe man sich versieht, geht alles den Bach runter. Doch Giulia mit ihrem italienischen Temperament denkt gar nicht ans Aufgeben. Und genau diese Stärke ließ sie mich ins Herz schließen. Trotz stetiger Stolpersteine setzt sie alles daran ihre Firma samt Familie zu retten und entdeckt zugleich ihre große Liebe.

Protagonistin Sarah ♥️

Sarah ist Anwältin und hat Krebs. Ein Zustand, der sie nicht davon abhält, bis zum Umfallen zu schuften. Ihre unverfälschte Art hat mich von den drei Frauen am meisten begeistert, denn sie macht in meinen Augen die größte Wandlung. Mit ihrem Wunsch nach Normalität, kombiniert mit ihrem verzweifelten Versuch nicht schwach zu wirken und mit ihrer absolut irrationalen Art und Weise spiegelt sie genau das wieder, was ich selbst schon an krebskranken Menschen beobachten konnten. Der Körper lässt einen im Stich, das Umfeld heuchelt Verständnis, aber für die elitäre Gesellschaft ist ein kranker Mensch unerwünscht. Obwohl man fast bis zum Ende glaubte, Sarah würde es nicht packen, sich auf das wirklich wichtige, ihre Gesundheit, zu konzentrieren, wandelt sie sich im Endspurt des Hörbuches gewaltig.

Story-Aufbau ♥️

Drei Frauen, drei Leben, drei Stränge. Alle drei Frauen haben mich berührt, alle drei Frauen fand ich in mir selbst wieder. Ihren Mut und ihre Stärke und ihren Wunsch nach mehr begeisterte mich. Besonders mochte ich, dass die liebe Laetitia der Realität treu geblieben ist. Ich hatte nicht den Eindruck, dass irgendwas „verwässert“ oder „verschönert“ war. Die Story an sich war kurz und knackig. Etwas oberflächlich aber was erwartet man? Drei Geschichten in ein Buch zu bringen, benötigt Kürzungen. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Autorin wollte an manchen Stellen so viel mehr Schreiben, wofür aber kein Platz war. Vielleicht wäre eine Trilogie passender gewesen. Die Grundidee ist gut, das Hörbuch wurde mit hervorragenden Sprecherinnen ausgestattet, doch die Story war zu stark zusammengepresst. Man konnte die Spitze des Eisbergs sehen, doch der Rest lag unter Wasser in der Schwebe. Ich hätte mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Alles in Allem sind die drei Stränge zueinandergekommen. Ein Kreislauf der am Ende ineinander fließt, doch genau das ist es, was man hätte ausbauen sollen. Leider ist das „Flechten des Zopfes“ zu kurz gekommen. Doch „Der Zopf“ vermittelte etwas sehr Elementares: Diese Welt ist nicht fair, sie ist nicht gerecht. Die Armen werden nicht reich, ihre Opfer werden nicht gewürdigt.

Bewertung ♥️

3 von 5 Sternen ⭐️⭐️⭐️

Message an die Autorin ♥️

Liebe Laetitia du hast einen ganz wunderbaren Ansatz und drei starke Frauen geschaffen. Dabei hast du nie die Realität aus den Augen verloren, was mir persönlich sehr gefällt. Vielleicht hast du dich etwas zu sehr gedrängt, diese Geschichte zu einem Ende zu bringen, dabei gab es noch so vieles zu erzählen. Trotzdem ziehe ich meinen Hut, drei Frauen, drei Schicksale, drei Leben in einem Buch. Das bekommt nicht jeder hin.

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